26.01.2026 11:00

Lifeforce Records und 30 Jahre extreme Metal-Innovation

Klein, unabhängig, einflussreich: Seit 30 Jahren steht Lifeforce Records für visionären Metal und ist Heimat legendärer Metal-Debüts. Zeit für eine Würdigung. Wir blicken zurück auf Geschichte und Bands des deutschen Kultlabels. Von Metalcore-Pionieren bis zu atmosphärischen Grenzgängern. Inklusive einiger Underground-Perlen.

Klein, aber bedeutend. So kann man Lifeforce Records kurz und prägnant umschreiben. So hat das Label still und leise bereits seinen 30. Geburtstag hinter sich gebracht. Die meiste Zeit bis heute hat Label-Chef und Ein-Mann-Armee Stefan Lüdicke die Geschicke des deutschen Labels gesteuert und einige Erfolge feiern dürfen mit anno dazumal jungen, hungrigen Bands, die heute nicht mehr aus dem Metal-Kosmos wegzudenken sind.

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Doch, dass kleine Labels in dieser von digitaler Distribution und Schnelllebigkeit geprägten Zeiten ihre Schwierigkeiten bekommen können hat sich auch bei Lifeforce Records bemerkbar gemacht. So hat Stefan auf die angespannte finanzielle Situation seines Labels erst Ende 2024 im Rahmen einer Spendenaktion auf gofundme.com aufmerksam machen wollen. Immerhin kamen bei der Aktion knapp 3.500 € der angepeilten 5.000 € zusammen. Ob das dem Label so viel Luft verschafft hat? Über ein Jahr später wirkt der Patient zumindest immer noch sehr lebendig.

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Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir uns entschlossen dieses kleine Label-Special zu Lifeforce zu veröffentlichen. Die Metal-Szene hat dem Label viel zu verdanken, hatte Lifeforce doch recht kontinuierlich Bands unter Vertrag, die sich an der Speerspitze der Entwicklung des Metal befanden. Wir nehmen uns die Zeit rund 30 Jahre Label-Geschichte kurz und knackig Revue passieren zu lassen.

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Den richtigen Riecher hatte Stefan vor allem in der Blütezeit des Metalcore bewiesen, namentlich die ersten Jahre nach dem Wechsel des Millenniums. Das Label hatte sich schnell als Garant für spannende Veröffentlichungen in der Schnittmenge zwischen (Death) Metal und Hardcore etabliert. So kann sich Lifeforce rühmen Größen wie Heaven Shall Burn, Trivium, Between the Buried and Me und Caliban "entdeckt" zu haben. Die Debüt-Alben dieser Bands wurden bei Lifeforce veröffentlicht.

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Doch dies stellt nur die Spitze des Eisbergs dar. Wer etwas tiefer wühlt, findet unsagbar viele Band-Perlen wie The Holeum, Aetherian, Destinity, Valletta oder Décembre Noir. Aber auch die mittlerweile etwas vor sich hin dämmernden Deadlock oder gar aufgelösten Cataract und Fear My Thoughts als altehrwürdige Vertreter des Metalcore aus deutschsprachigen Landen segelten einst unter der Flagge von Lifeforce. 

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Über 350 wohl kuratierte Veröffentlichungen gehen auf das Konto von Lifeforce. Wohl kuratiert, jawoll! Der Autor dieses Artikels verfolgt die Entwicklung des Labels schon seit rund 25 Jahren, und eine Ramsch-Veröffentlichung ist ihm bis jetzt noch nicht untergekommen. Jede Band zeichnet sich durch eine leidenschaftliche Herangehensweise und eine vergleichsweise hohe Eigenständigkeit mit entsprechendem Wiedererkennungswert aus. Lifeforce kann man getrost als eine der ersten Label-Anlaufstellen nennen, um neue spannende Bands zu entdecken. Nicht umsonst hat oder zumindest hatte das Label den Ruf das erste Sprungbrett für Bands zu sein, die später ganz groß herauskommen. Metal Blade, Century Media und Roadrunner hatten nicht nur eine Band aus dem Lifeforce-Stall für spätere Glanztaten unter eigener Flagge verpflichtet. 

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Die Bands, die Lifeforce traditionell beheimatet, spielen weniger in der kommerziellen Ecke des Metal, sondern eher in der schwach beleuchteten und damit interessanteren Ecke, in der sich der Metal weiter entwickelt. Nach seiner Metalcore-Hochphase hatte sich Lifeforce endgültig von sämtlichen Genre-Grenzen verabschiedet. Bands, die sich den klassischen oder traditionellen Metal-Spielarten verschrieben haben, finden sich jedoch kaum bei Lifeforce. Stattdessen sind es recht eigenständige Bands mit Hang zum Atmosphärischen, Progressiven, Extremen, Technischen oder Experimentellen. Oder gleich alles zusammen. Living at the edge. Doch auch ein Händchen für Pop-orientierten Modern Metal hatte Stefan mit Bands wie "All but One" oder "Last Winter" bewiesen, die griffiges anschmiegsames Songwriting zelebrieren.

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Wenn man denn einen Unterschied von früher zu heute ausmachen möchte, so dass Lifeforce in der Vergangenheit mehr Musik veröffentlicht hat, die melodischer und mehr "nach vorne" gegangen ist. Vielleicht liegt hierin ja ein Schlüssel, um die Musik des Labels wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

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Wer bis hierhin jedes eingestreute Video brav angeschaut hat, hat sicherlich einen unmissverständlichen Eindruck von der Bandbreite, Qualität und dem hohen Wiedererkennungswert der Bands im Lifeforce-Stall bekommen. Möge es die nächsten 30 Jahre so weitergehen und Stefan sein gutes Gespür für herausragenden Avantgarde-Metal behalten.

Wer nicht genug bekommen kann:

Spotify Playlist – New Singles (neuere Bands)

Spotify Playlist – Roots of Lifeforce (ältere Bands)