30.06.2026 17:00

Über 20 Jahre Trollzorn – das Label-Interview mit Mitgründer Kai

Bekannt und etabliert ist Trollzorn vor allem für seine Bands aus den Bereichen Viking, Folk, Pagan, Death und Black Metal wie zum Bleistift Cruachan, Stormlord, Black Messiah, Obscurity und Tuatha de Danann. In 20 Jahren Labelgeschichte hat es kaum ein Interview mit den Labelinhabern gegeben. Zeit das nachzuholen. Label-Fürst Kai stellt sich mutig unseren bohrenden Fragen.

Die gemeinschaftliche Aktion des Labels Trollzorn und uns – Bound by Metal – zur Rettung der CD haben wir ja schon in einem vorhergehenden Artikel präsentiert. Im Rahmen dieser Aktion hatten wir auch die Gelegenheit ein Interview mit Kai zu führen, der seit den ersten Trollzorn-Tagen mit an Bord ist und das Label zusammen mit seinem Kumpel Stefan seit rund 20 Jahren durch die vielen Wirren und Wendungen der Musikindustrie führt. Zwei Dekaden hart am Wind sozusagen. Da gibt es sicherlich einiges interessantes zu erzählen. Wir fühlten Kai also mal auf den Zahn.

Die Trollzorn-Crew zusammen mit der hauseigenen Band Istapp irgendwo in der Weltgeschichte.
Die Trollzorn-Crew zusammen mit der hauseigenen Band Istapp irgendwo in der Weltgeschichte. (Bild: Trollzorn)

Kai, Trollzorn existiert seit über 20 Jahren. Was hat euch einst dazu gebracht, das Label überhaupt zu gründen?

Stefan und ich kennen uns seit der Schulzeit und waren schon als Teenager zusammen mit unseren Kumpels im Metal unterwegs. Wir sind oft zu Konzerten nach Osnabrück, Bremen oder Hannover gefahren. Als der Hype mit den Mittelaltermärkten losging und dort auch die ersten Rockbands spielten, waren wir auch in dieser Szene viel unterwegs. Als aus Mittelalter-Rock dann Folk und Viking Metal wurde, haben wir von einzelnen Bands, die ihre Demos damals in Eigenregie rausgebracht haben, EPs und Demo-CDs gekauft und diese unter Freunden verteilt. Das kam gut an und wir haben uns überlegt das über einen eigenen Online-Shop größer anzubieten. Es gab damals keine Möglichkeit für eine junge Band CDs in Eigenregie zu vermarkten. Facebook war da gerade erst geboren, es gab kein Instagram, kein Spotify. Wir haben mit einem eigenen kleinen Online-Shop dann gestartet, Ware bei den Bands in größeren Mengen gekauft und weiter verkauft. Unserer Meinung nach waren wir der erste deutsche Versand, der die Eluveitie Mini-CD „Vên“ angeboten hat. Somit lernte man die Bands persönlich kennen, traf sich auf Konzerten und kam ins Gespräch. Kurze Zeit später war die Idee geboren: „Hey, eine eigene CD-Produktion wäre doch auch mal klasse“. Und schon nahm alles seinen Lauf. Olaf von Einheit Produktionen war da eine große Hilfe und verschaffte uns diverse Kontakte. Dann ging alles ganz schnell und wir hatten bereits mit den ersten Veröffentlichungen großen Erfolg. Es folgten sehr schnell Nachpressungen zu den Erstauflagen und dann konnten wir nicht genug von dieser Art Arbeit bekommen!

Der Trollzorn-Stand beim Dark Troll-Festival. Wo genau haben sich jetzt die zornigen Trolle versteckt?
Der Trollzorn-Stand beim Dark Troll-Festival. Wo genau haben sich jetzt die zornigen Trolle versteckt? (Bild: Trollzorn)

Wie würdest du sagen hat sich die Arbeit eures Labels in diesen 20 Jahren verändert? Was sind die größten Herausforderungen heutzutage?

Wir machen das Label seit jeher nebenbei, in unserer Freizeit. Wir sind beide hauptberuflich in anderen Bereichen tätig. In den früheren Jahren, ohne Spotify, haben wir ein Vielfaches mehr an Paketen packen müssen. Eigentlich fast täglich kam der Lieferwagen zum Pakete abholen. Das ist in den jüngeren Jahren sehr viel weniger geworden. Es geht zum Großteil nur noch um Merch.

Die sagenumwobene Trollzorn-Diele. Wir finden: Ganz schön ausladend für eine eigentlich schnöde Diele! Sie ist Bestandteil des Trollzorn-Hauses, genauer eines Bauernhofs, in dem auch das Lager drin ist. Die Diele fungiert als Partyraum mit Theke, Dart und Tischkicker. Das Label empfängt dort Bands und sonstige Gäste wie Papst und Bundeskanzler.
Die sagenumwobene Trollzorn-Diele. Wir finden: Ganz schön ausladend für eine eigentlich schnöde Diele! Sie ist Bestandteil des Trollzorn-Hauses, genauer eines Bauernhofs, in dem auch das Lager drin ist. Die Diele fungiert als Partyraum mit Theke, Dart und Tischkicker. Das Label empfängt dort Bands und sonstige Gäste wie Papst und Bundeskanzler. (Bild: Trollzorn)

Wo denkst du, geht die Reise in den nächsten 5 Jahren hin? Wie wird sich euer Label, wie der Musikmarkt weiter verändern?

Da wir davon nicht leben müssen schauen wir der Sache entspannt entgegen. Jedoch ist es frustrierend einen Release zu betreuen, der dann nur noch einen Bruchteil der physischen Verkäufe von vor einigen Jahren erzielt. Die Arbeit mit solch einem Release ist nicht weniger geworden. Werbung, Promotion, etc. sind teurer geworden. Auch Studio- und Aufnahmekosten. Wir bekommen auch heute noch wöchentlich Bandbewerbungen aus fast der ganzen Welt, kein Witz! Da sind teilweise echt starke Bands dabei, die wir dennoch nicht bedienen können. Das muss ich den Bands dann auch immer schmerzhaft erklären. Unter anderem lohnt es sich für unseren Vertrieb einfach nicht mehr einen Release einer neuen, jungen Band mit aufzunehmen, da selbst die großen Märkte wie Media Markt und Saturn ihr CD-Angebot drastisch gesenkt haben.

Trollzorn-Band Obscurity mit dem neuesten 2026er-Album "Ascheregen" direkt in die deutschen Charts. Unseren herzlichen Glückwunsch!
Trollzorn-Band Obscurity mit dem neuesten 2026er-Album "Ascheregen" direkt in die deutschen Charts. Unseren herzlichen Glückwunsch! (Bild: Trollzorn)

Hast du einen Tipp für aufstrebende Bands? Wie können sie sichtbar werden in einem immer undurchsichtigeren Musikmarkt, in dem jeden Tag neue Bands aus dem Boden sprießen und um Aufmerksamkeit buhlen?

Ganz ehrlich? DAS ist bei uns ein Dauerthema. Da gibt es so viele Meinungen, aber eine konkrete Lösungsidee haben wir auch nicht. Der Musikmarkt wird sich in den kommenden Jahren auch weiterhin drastisch verändern. Im Grunde bleibt einer jungen Band nichts anderes übrig als jeden kleinen Club-Gig anzunehmen, auch wenn man draufzahlt. Selbst ohne Gage hat man dadurch oft mehr erreicht als eine Werbeanzeige in einem Print-Magazin, die auch einige hundert Euro verschlingt und in der heutigen, digitalen Zeit vermutlich niemand mehr wahrnimmt.

Eure 5 Alben für die einsame Insel bitte.

Würden wir gerne eintauschen in ausreichend Biervorräte und singen lieber selbst!

Das erste Trollzorn-Shirt zu, nun ja, Trollzorn selbst. Wem wohl die Wampe darunter gehört? Wir werden es vermutlich nie erfahren ...
Das erste Trollzorn-Shirt zu, nun ja, Trollzorn selbst. Wem wohl die Wampe darunter gehört? Wir werden es vermutlich nie erfahren ... (Bild: Trollzorn)